Johann Sebastian Bach: Ciaccona
Eines der gleichsam anspruchsvollsten, wie ästhetisch ansprechensten Werke der Musikliteratur ist zweifelsohne
die „berühmte“ Ciaccona (auch: Chaconne) von
Bach.
Sehr oft wird die Chaconne, die den letzten, 5. Satz der Partita Nr. 2 der BWV 1004 für Solovioline markiert, als losgelöstes Virtuosenstück aufgeführt.
Aber die <„“> sind dennoch nötig, da
dieses Werk nicht jene populäre Öffentlichkeit genießt,
wie klassische Gassenhauer a la Beethovens 5ter oder Dvoraks
9ter Symphonie, die auch ein allgemein interessiertes
Publikum erreicht haben. Oder, um bei Bach selbst zu bleiben:
Stücke wie das Air, das Präludium in C-Dur genießen
ungleich höhere Stellenwerte gemessen an der populären Gunst.
Dies liegt m.E. vor allem in der (Ur-) Instrumentierung begründet:
Bach verfasste das Werk als Violin-Solo-Stück.
Die Ciaccona ist ein Variationsstück über 64 Variationen eines Themas. Das mag sich möglicherweise etwas langweilig anhören,… Aber es ist Bach. Und Bach ist genial.
Was ist eine Ciaccona?
Eine Ciaccona ist ursprünglich ein Tanz im ¾ Takt
(„Walzer-Rhythmus“), mittelschnell, mit ostinatem
Basslauf, bei dem in der Oberstimme verschiedene Variationen
durchlaufen werden. Verwandt ist die Ciaccona mit der Passacaglia,
die allerdings auch den Bass in die Variationen einbezieht.
Interessant ist die Ciaccona schon deshalb, weil sie durch ihre Vielseitigkeit zu Bearbeitungen geradezu einlädt.
Deshalb gibt es eine unglaublich große Anzahl an Transkriptionen,
Arrangements und Bearbeitungen (die wohl noch deutlich größer
als die der „Bilder einer Ausstellung“ oder „Die
vier Jahreszeiten“ sein dürfte).
Versuch von Definition:
Transkriptionen, sind Übertragungen
auf andere Instrumente, die dann ebenfalls „solo“
vortragen werden, zum Beispiel: Violoncello, Kontrabass, Viola,
(Klavier, Cembalo) Xylophon/Marimba, Synthesizer, (Orgel, Laute).
Bearbeitungen sind Ergänzungen
(oder auch Kürzungen) von „Noten“, die über
den Urtext der Ciaccona komponiert wurden (ähnlich also dem Ave
Maria von Gounods Bach Präludium in C-Dur): Darunter sind
etwa die Violin-Ciaccona mit japanischen Trommeln, das Morimur
vom Hillard Ensemble oder Jazz Bearbeitung von Joachim Kühn
zu nennen.
Arrangements schließlich sind Versuche,
mit denen Komponisten die „sukzessive“ Harmonik der Ciaccona
durch simultane Harmonien zu ersetzen. Denn die Violine kann ja nur eingeschränkt mehrere Töne
gleichzeitig spielen, was Bach dadurch „löst“,
dass er die „Harmonien“
als sog. Arpeggien, also gebrochene Akkorde, spielen lässt. Darunter fallen dann z.B. die Klavierbearbeitungen
(als Soloinstrument auch unter Transkription
erwähnt) von Brahms und Busoni (der meines Wissens
die Bearbeitungstradition der Ciaccona eingeleitet hat und damit
die „Mutter“ aller Ciaccona-Transkriptionen schrieb).
Ferner fallen unter diese Definition auch die Ciaccona mit Klavierbegleitung zur Original-Violinstimme
von Schumann und die Orchesterbearbeitungen von Raff und Stokowski.
Auch die Gitarrenbearbeitungen, die mit Andres
Sergovia begannen und die später von vielen Virtuosen
mit eigenständigen eigenständigen Arrangements fortgeführt
wurden sind Arrangements: Romero, Schneider etc.
